Geisterdorf
Borschemich


Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung
Was sich umwerbend ihr gesellt:
Das Haus, die Heimat, die Beschränkung,
Die sind das Glück und sind die Welt.

Theodor Fontane
1819-1898


Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.


Borschemich - zum Sterben verdammt

Borschemich in Nordrhein-Westfalen ist ein ländlich geprägter Ort nahe der Stadt Erkelenz. Die Ursprünge der Gemeinde reichen etliche Jahrhunderte zurück – nämlich in die römische Epoche. Das belegten Überreste einer 2013 von Archäologen gefundenen römischen Villa plus vier sogenannter Brandgräber. Offiziell wurde Borschemich allerdings erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erwähnt. Damals schenkte König Zwentidold von Lothringen dem katholischen Stift Essen ein Königsgut namens Borschemich. Letztlich hat der Gemeinde diese große Vergangenheit oder die Funde aus der Römerzeit nicht geholfen. Der Ort liegt im Abraumgebiet des Tagebergbaus Garzweiler II. Für die Bewohner heißt dies, dass sie Haus und Hof aufgeben müssen, damit Borschemich nach und nach abgerissen werden kann. Dann kommen die großen Tagebaubagger und der Ort verschwindet für immer von der Landkarte. Ein Schicksal, welches die Gemeinde unter anderem mit Immerath teilt.


Borschemich - bisherigen Besuche

Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Besuch der Geisterstadt Borschemich erinnern. Es war ein wundervoller Sonnentag; der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Dieses Wetter nutzte ich, um mal wieder in der Geisterstadt Immerath vorbei zu schauen. Mich interessierte, ob sich etwas seit meinem letzten Besuch vor gut vier Wochen veränderte. Anschließend fuhr ich ein paar Kilometer weiter, um mich erstmals Borschemich anzusehen. Die Gemeinde liegt in gewisser Weise nur einen Steinwurf entfernt.

Seit Mitte 2014 besuchte ich wiederholt die Geisterstadt Borschemich. Mich berührte das Schicksal der Menschen, die ihre Heimat aufgeben mussten. Obendrein war ich neugierig auf die Veränderungen, die der Gemeinde bevorstehen. Nachfolgend findest Du - in verschiedene Galerien unterteilt - jeweils eine kleine Dokumentation meiner Besuche.




Letztlich ist das Verschwinden von Borschemich nur noch eine Frage der Zeit. Es gibt einen verbindlichen Plan für den Abriss der Gebäude und das anschließende Abbaggern der Braunkohle unterhalb der Geisterstadt. Bei meinem ersten Besuch der Gemeinde konnte man Garzweiler II eigentlich nur erahnen. Irgendwo "in weiter Ferner" waren die Bagger und verrichteten ihr vernichtendes Werk. Nach und nach rückten Sie immer näher an Borschemich heran. Zuletzt - also im September 2016 - stand ein großer Teil des Geisterdorfes schon gar nicht mehr und die riesigen Tagebaubagger waren schon in Sicht- und Hörweite.

Nachtrag - Juli 2018: Inzwischen kann man die kleine und feine Gemeinde Borschemich nicht mehr besuchen. Die RWE hat alles abgeriegelt. Ich musste mich mit einem Bild der Sperre begnügen, denn ich wollte keinen Ärger mit dem Sicherheitspersonal.


Mein bisherigen Besuche der Geisterstadt Borschemich waren im
November 2014, März 2015, Mai 2015 und September 2015. Im Jahr 2016 besuchte ich die Geisterstadt im Januar 2016 und im September 2016. Mein wahrscheinlich vorerst letzter Besucht führte mich im Januar 2017 nach Borschemich. Mein letzter Besuch: Juni 2017.


Die einzige Sehenswürdigkeit der Gemeinde war
die Pfarrkirche St. Martinus.
Sie wurde inzwischen abgerissen.


Selbstverständlich schaute ich mir auch
den Totengräber von Borschemich an.

Tagebergbau Garzweiler II


Wissenswertes zum Thema:

Liste abgebaggerter Orte
Doku Tagebergbau Garzweiler II